Bad Muskau
JAUCHE BUDICH WIRFT SEINE LANGEN SCHATTEN VORAUS
von René Beder
Jauche Budich war ein Muskauer Original und eine lustige Person. Er hängt als Ölgemälde bei Werner Manno an der Wand. Manno hat ihn von einem Wirt, der ihn zum begleichen der Zeche von einem Maler bekam. Budich war auf der Kömag, der berühmten Feinpapierfabrik, beschäftigt. Das viele Wasser, das man zum Papiermachen braucht, war in großen Bottichen, die Budich immer sauber hielt. Budich stank. Budich fühlte sich wohl. Budich ging durch die Stadt. Dann sollten die Zeiten noch besser werden. Die Jungs von der SA schnappten sich Budich und schleppten ihn ins Krankenhaus. Nicht weil er krank war, sondern weil er stank. Dort steckten sie Budich unter die Dusche und schoren ihn. Nach drei Wochen war Jauche Budich wieder der Alte. Verschmitzt, im abgewetzten Mantel und unterm fleckigen Hut. Na, Budich, fragten ihn die Saubermmänner, gehst du auch zur Wahl? Budich, dem die Welt egal war, schüttelte den Kopf. Na dann, sagten die nationalen Revolutionäre, müssen wir dich wohl nochmal ordentlich waschen. Das wollte Budich nicht – und versprach zur Wahl zu gehen.
Tage, nachdem wir das gehört hatten, setzte uns unsere liebe Wirtin an die Luft. Die war sauer. Wir hatten sie und ihre schöne Ferienwohnung runtergehandelt, aber trotzdem die Heizung manchmal aufgedreht. Das wurde immer kontrolliert, kaum dass unser Auto vom Hof war. Außerdem einen Computer aufgestellt – und das wurde angemahnt, weil nicht ausgemacht, denn der verbraucht Strom. Als wir die Verlängerungswoche wollten, gab es kein Erbarmen. Und die Rechnung mit einem saftigen Aufschlag wurde präsentiert. Mitsamt dem Vorwurf, die Heizung, auf die wir immer pingelichst geachtet hatten, hätte immer auf 5 gestanden. Man war beleidigt. Kein Gespräch. Keine Einigung. War das ein Trick, doch noch an die erträumte, erhoffte, ersehnte Summe zu gelangen? Gewarnt sei auch hier wieder vor dem frustrierten Menschen. In diesem Falle vor dem vom Schicksal betrogenen Ostler. Da ist alles zu spät. Da helfen weder Geld noch gute Worte. Wollt Ihr den totalen Deckchen-Terror?
Wir zogen also in des Schwiegervaters Bungalow. Nicht ganz so schön in der Nähe, aber schön im Wald gelegen. Nur, plötzlich war die Jauchegrube voll. Nichts lief mehr ab. Wenn jemand kommen soll, es abzupumpen, muss man fünf Tage vorher Bescheid sagen. So steht´s in der Satzung des Abwasserzweckverbandes, sagt mir die Frau am Telefon. Als ich sie frage, ob sie jemand weiß, der es gleich abpumpen kommt, sagt sie, den darf ich gar nicht nehmen. Das war eine Ausschreibung – und nur sie und nur ihre Mannen dürfen jetzt die Jauche holen. Man glaubt es nicht. Aber wahr. Also einen Bittgang veranstaltet, zur als Umwelt GmbH verwandelten LPG - damit zwar nicht heute, aber morgen jemand kommt. Der kam dann auch. Eine lustige Person. Klein, rund, drollig – und hilfsbereit. Aber als die Grube leer und die Jauche weg war, hatte sich jedoch leider nichts gebessert. Sie war vielleicht doch noch nicht ganz voll und stattdessen die Leitung irgendwo verpfropft. Das war ein Spaß. Stundenlang zu spülen, zu stochern und zu schöpfen. Ich spürte Jauche Budichs Seele Schatten neben mir und ich spürte, dass Jauche Budich nicht so schnell von mir weichen wollte. Als ich endlich so stank wie er und schon aufgeben wollte, da ließ er die Leitung beim allerletzten Versuch frei. Denn ich war ja inzwischen sein Freund. Und ließ ihn hochleben.

Jauche Budich in seinen besten Jahren
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