Bad Muskau Götter seid ihr, liebe Töpfer!
Leopold Schefer. Dichter und Komponist (* 30.7.1784 Muskau + 13.2.1862 Muskau) (Wichtige Anmerkung: es handelt sich hierbei um ein erotisches Gedicht!
MUSKAUER KERAMIK von Bernd-Ingo FriedrichDas Wort „Keramik“ ist im weiteren Sinne ein Sammelbegriff für alle aus gebranntem Ton hergestellten Erzeugnisse vom Ziegelstein bis zum künstlichen Zahn.
Links: Kleiner Krug. Steinzeug mit dunkelbrauner Lehmglasur. Altmuskauer Kerbschnitt, besetzt mit Quarzsteinchen. Um 1600. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert waren in der Oberlausitz mindestens 30 Orte bekannt, in denen es Töpfereien gab. Es handelte sich dabei zumeist um Familienunternehmen wie die noch heute existierenden Töpfereien Jürgel in Pulsnitz oder Lehmann in Neukirch. Unter den Muskauer Firmen war die Töpferei Pfitzinger mit einer über 130jährigen Tradition eine der langlebigsten. Weitere Orte in der Oberlausitz mit altangesessenen Töpferfamilien sind Bischofswerda, Elstra, Königsbrück, Kamenz und Göda. Als Nathanael Gottfried Leske, Professor der Ökonomie in Leipzig und gebürtiger Muskauer, seine Reise durch Sachsen (1785) dokumentierte, gab es in Muskau 21 Töpfer. Leske schreibt: „Ihre Arbeit ist in hiesiger Gegend weit und breit bekannt und verdient viel Beifall. Die Güte ihrer Arbeit gründet sich größtenteils auf die Tüchtigkeit des Tons, den sie verarbeiten.“, und weiter, daß sie einen braunen, eisenschüssigen Ton aus eigenen Gruben verarbeiten und daraus u.a. „besonders feste töpferne Rören“ fertigen, die weithin für ihre Haltbarkeit berühmt sind. B edingt durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus vielen Handwerksbetrieben ein dichtes Netz von Töpfereien und Baukeramikbetrieben auch östlich der Neiße. Das begann in Lugknitz, wo der berühmte Steinzeugton gefördert wurde, und zog sich über so bekannte Orte wie Tschöpeln, Töpferstedt, Mühlbach und Ullersdorf bis hin nach Bunzlau und Naumburg am Queis. So wurden in den Anfängen des Töpferhandwerks in Muskau 1552 zwei Namen erwähnt, die wahrscheinlich die ersten Familien bezeichnen, aus denen später Töpfermeister hervorgingen. Einer davon ist Drettwa (Dretwa), und noch heute findet man gelegentlich die schlichten, salzglasierten Gefäße mit dem Blindstempel „F:D:Muskau“, die dem letzten Drettwa-Betrieb entstammen. Aus ihm entwickelte sich das Unternehmen „Muskauer Tonwaren–Industrie F. Dienstbach“, das 1945 zerstört wurde. Aus einem Handwerksbetrieb, der Töpferei August Kypke hervorgegangen war auch die ebenfalls 1945 zerstörte „Graf von Arnim- und Leißnersche Keramische Betriebe GmbH, Steinzeugröhrenfabrik Muskau–Lugknitz OL.“
Weltruf und unter Sammlern Höchstpreise haben die Muskauer Steinzeuge erlangt; sie sind in allen bedeutenden Kunstgewerbesammlungen der Welt zu finden. Voraussetzung dafür war, wie von Leske beschrieben, der besondere Ton, der nach dem Schrühbrand engobiert oder mit Lehm glasiert wurde, oder im Salz-(Holz-)brand eine farblose Glasur erhielt. Im Unterschied zum normalen Steingut, das um 1150 – 1250 °C gebrannt wird, braucht das Steinzeug zum Sintern etwa 1350 °C, bei 1200 ° wird Salz in den Ofen gegeben.
Gebauer, Walter: Kunst- Handwerkliche Keramik. Leipzig: VEB Fachbuchverlag 1985 Horschik, Josef: Steinzeug 15.-19. Jahrhundert. Von Bürgel bis Muskau. Dresden: Verlag der Kunst 1978. Weinhold, Rudolf / Gebauer, Walter / Behrends, Rainer: Keramik in der DDR . Tradition und Moderne. Fotografien Wolfgang G. Schröter. Leipzig: Edition Leipzig 1988. Eine gute Adresse zum Erfragen von allen möglichen und unmöglichen Details zur hiesigen Töpferei ist das Handwerk und Gewerbemuseum Sagar, in dem sich Frau Helga Heinze speziell damit beschäftigt. Obiger Text wurde mit Hilfe ihres Manuskriptes zu diesem Thema erarbeitet, dessen Veröffentlichung leider noch immer vorbereitet wird.
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