Bautzen Am Ende der Völkerwanderungszeit kamen aus dem Südosten Europas slawische Stämme in die Oberlausitz. Dieses Volk, die Sorben, auf die auch der deutsche Name „Wenden“ überging, bewahrte sich bis in die heutige Zeit eine vielfältige, eigenständige Kultur. In Kindergärten und Schulen können Kinder die sorbische Sprache lernen. Sorbische Traditionen werden nicht nur in den vielen Vereinen gelebt. In Bautzen gibt es ein sorbisches Theater. Und die Beschilderungen in ihrem Siedlungsgebiet sind zweisprachig. Exodus der Sorben von Bernd Heiber”BAUTZEN: Vergangenen Montag, den 29. August 1853, begaben sich 35 Wenden auf die Eisenbahn, um ihr Vaterland zu verlassen und sich in Texas eine neue Heimat zu suchen. Sie stammen alle aus den preußischen Dörfern der Oberlausitz ... Schlechte Nachrichten aus Australien haben sie von der Auswanderung in dieses Land abgeschreckt, so suchen sie nun in Texas das Glück, daß sie im Wendenland nicht gefunden haben. Wir wünschen ihnen, daß sie niemals ihr Vorhaben bereuen mögen, so wie mancher, der in Australien das verlorene Paradies suchte.” Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten im Zuge einer großen europäischen Auswanderungswelle einige tausend Lausitzer Wenden (Sorben) nach Übersee aus. Viele von ihnen flohen vor den katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse, die ihnen in der Heimat kein menschenwürdiges Leben gestatteten. Andere, wie zum Beispiel eine Gruppe um den sorbischen Pfarrer Jan Kilian, verließen die Lausitz auch aus religiösen Gründen. Sie waren Anhänger der starken konservativen lutherischen Bewegung, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland verbreitete. Sie widersetzte sich trotz staatlicher Verfolgung der zwangsweisen Vereinigung mit der reformierten protestantischen Kirche. Die meisten ihrer Führer und hunderte Anhänger wanderten schließlich Anfang der Achtzehnhundert-fünfziger Jahre aus, um in Übersee das Land der Glaubensfreiheit zu finden. Jan Kilian gründete am 25. März 1854 in Dauban einen Auswanderverein: ”Hauptzweck der Verbindung ist, nach Nord-Amerika auszuwandern, dort eine reine evangelische Lutherische Kirchgemeinde unter sich zu bilden, und ebenso in allen ihren bürgerlichen Verhältnissen eine Gemeinde auszumachen”. Aus der Vereinskasse, in die jeder ein Viertel seines Vermögens zu entrichten hatte, wurde die Überfahrt der Mittellosen bezahlt. 558 Personen, darunter 170 Kinder, bereiteten sich auf die Reise vor. Das große Vorhaben versetzte die ganze sorbische Oberlausitz in Aufregung. Die Zeitungen brachten laufend Berichte, mahnten zum Bleiben und warnten vor Unwägbarkeiten und Gefahren. Im September 1854 reisten mit Kilian 531 Sorben im Sonderzug von Bautzen nach Hamburg. ”Zum Abschied fanden sich scharenweise Verwandte und Bekannte ein. Weinen und Schluchzen begleitete die Abschiedsworte. Im Menschengewimmel hielt auch manch einer Ausschau in der Hoffnung, hier im letzten Moment noch den gesuchten Sünder zu entdecken, der einer alten Witwe das Darlehen nicht zurückgezahlt oder die Braut samt Kind verlassen oder sein Hab und Gut betrügerisch verkauft hatte.” ”Bautzen: In Liverpool ist eine ganze Familie bis auf einen Sohn ausgestorben, nämlich: ein gewisser Schatte-Mrosko, seine Frau und seine erwachsene taubstumme Tochter, alle aus Jahmen. Um dieser ihrer taubstummen Tochter eine sichere Zukunft zu bereiten, deshalb ist angeblich Mrosko ausgezogen und nun ist er selbst mit seiner Frau und mit dieser seiner Tochter in der Fremde gestorben. Überhaupt ist aus den Briefen, die wir zu Gesicht bekommen haben, zu erkennen, daß viele Auswanderer am liebsten wieder zurückkehren würden, wenn das nur irgendwie möglich wäre.” Am 16. Dezember 1854 erreichte die ”Ben Navis” das texanische Galveston, von wo es per Dampfer weiterging nach Houston. Von Houston aus ging es gruppenweise in Planwagen auf dem Landweg weiter. Einige der Mittellosen mußten in Houston bleiben und sich Arbeit suchen. Die Finanzen des Vereins waren aufgebraucht. Anmerkung:
Schild am Sorbischen Museum in Serbin/Texas
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