Hoyerswerda
DIE KÜNSTLERISCHE PRODUKTIONSGENOSSENSCHAFT (KPG) "neue form"
Auszug aus dem Buch "Mit handwerklichem Gruß": Geschichte der letzten 50 Jahre
des südbrandenburgischen Handwerks (CGA Verla, Cottbus)
von Arielle Kohlschmidt & René Beder
Einer der Mitbegründer, Peter Bathke, erzählt, wie die KPG entstand:
„Wir waren Absolventen der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm. Und waren von der Absolventenlenkungskommission beim Ministerium für Kultur beordert in Hoyerswerda vorstellig zu werden – zum Aufbau der 2. Sozialistischen Wohnstatt der DDR.
Ich mußte hier zum Chefarchitekten und der freute sich, daß er jemand hat, der ein bißchen Petersilie an den Bau brachte: „Laß dir was einfallen.“, sagte er, „Hier hast du ein Zimmer, da kriegst du einen Vertrag. Hol dir noch Leute ran. Alleine schaffst du das nicht.“
Inzwischen bewarben sich noch andere Leute, ein Maler und ein Bildhauer. Ich holte mir noch ein paar Metaller ran. Und dann merkten wir, daß etwas überhand nahm: Nur am grünen Tisch zu sitzen und Zeichnungen zu machen. Wir müssen eine Werkstatt haben. Der Kneiper aus Seidewinkel, das nah bei Hoyerswerda liegt, hat uns seinen alten Düngerschuppen überlassen. Da ich meine Meisterprüfung als Maler hatte - das war Wunsch und Anliegen meines Vaters – hab ich der Kammer in Cottbus gesagt: Paßt auf, Meister bin ich. Wir sind 2 Maler und 2 Metaller. Und ich habe den Hut auf, weil ich die Qualifikation im Handwerk habe. Dann kriegte ich meine Zulassung. Die Selbständigkeit dauerte aber genau vier Tage. Dann bekam ich einen Bescheid: Aufgrund der sozialistischen Entwicklung machen wir gleich eine PGH daraus. Mir war das im Prinzip egal. Ich sollte eine Liste machen über die vorhandenen Produktionsmittel. Aber wir hatten noch keine. Wir haben dann immer krampfhaft drauf gewartet, daß sich irgendetwas ergab. Der Kneiper hatte das Ohr an der Masse. Der wußte: Dieser oder jener ist abgehauen ... oder eine Werkstatt ist kaputt.

Der im Volksmund genannte "ZDF-Brunnen" in Hoyerswerda, eine Arbeit der KPG
So bekamen wir den ersten Amboß oder die erste Schmiedezange. Unser erstes eingetragenes Grundmittel mit Abschreibung war eine „Erika“ - Schreibmaschine. Wir waren eine atypische PGH. Aber für unsere Arbeit war die Form einer Genossenschaft ideal.
Dann haben wir gebaut. Und Steine geklaut. Motto: Wer Bretter klaut, baut eine billige Laube. Das war ein herrlicher Anfang, aber auch nicht leicht. Wir sind dann sehr schnell groß geworden, haben Innengestaltung gemacht, Fassadenmalerei, Gitter aller Art, Eingänge und Terassen, später im Schiffsinnenausbau gearbeitet und für Gästehäuser.
Dem Rat des Kreises und des Bezirkes haben wir immer die Taschen vollgehauen, daß das alles wichtige Dinge sind, die wir machen. Und daß damit das Ansehen der Republik gestärkt wird, wenn wir von den Booten für die Schwarzmeerflotte erzählt haben. Da fingen die bald an zu weinen, vor Rührung.
Und damit hatten wir auch entsprechende Materialkontingente. Alle vom Rat haben wir für uns gewonnen, bis ich sie einmal sehr verärgerte. Das war nach dem Mauerbau, als Ulbricht das Programm zur Störfreimachung brachte. Da waren wir so störfrei... da hatten wir keinen Kaffee mehr. Da mußten wir uns anstellen. Durch irgendeinen Zubringer müssen die im Rat des Bezirkes erfahren haben, daß wir jeden früh, bevor wir in die Spur gingen, erst mal die Runde Bohnenkaffee hatten. Da stimmten wir dann ab, wer was machen sollte am Tag. Das kam denen jedenfalls da zu Ohren und eines Tages erhielt ich einen Anruf: „Du bereit dich mal vor, die Frau Käberich kommt und die Frau Uschkamp. Plankontrolle.“
„Ja sollen sie kommen“, meinte ich. Meine Buchhalterin aber war schon ganz nervös: „Wir haben immer Bohnenkaffee und du weißt doch, das ist verboten.“ Ich hatte ein Rundschreiben bekommen: Kaffee darf es zu Geschäftsverhandlungen nicht mehr geben. Ist nur noch für den Eigenbedarf gestattet und nur wenn er von zu Hause mitgebracht wird. Nichts mehr über die Geschäftskonten. Ich bin dann Ruckzuck in die Stadt gefahren, hab eine ganze Tüte Kamillentee gekauft und den hab ich dann angeboten. Die haben keine Stunde zugebracht bei uns. Die ganze Bude hat noch drei Tage später nach Apotheke gerochen. Getrunken haben sie beide nichts. Seitdem hatten wir Ruhe.“

Die Eingangstür der Cottbuser Stadthalle, 1975 gestaltet von Petra Zimmermann, Mitglied der KPG "neue form", Kupfer getrieben
zurück zur Textübersicht