Königshain


AUSFLUG NACH KÖNIGSHAIN

DREI SCHLÖSSER UND EIN PARK

von Siegfried Kohlschmidt

Zugegeben: Die Überschrift täuscht ein wenig, stimmt mit der Realität nicht ganz überein, denn was man dort in Königshain vorfindet, sind genau genommen der Wohnturm einer Wasserburg, ein Renaissancebau, der eher einem so genannten Festen Haus denn einem Schloss gleicht, und ein Herrenhaus aus der Zeit des Barock. Aber der Volksmund tituliert natürlich die drei Gebäude jeweils als "Schloss". Zu der ganzen Anlage gehört auch ein prächtiger Park. Daneben hat sich noch eine ganze Reihe von Wirtschaftsgebäuden des 18. und 19. Jahrhunderts erhalten. Alles zusammen ergibt ein hoch interessantes Ensemble zur Kultur und Lebensweise in der Lausitz.



Schloß Königshain, Lithographie um 1865. Die prächtige Anlage ist noch im Ganzen so erhalten wie auf diesem Bild. Der zweigeschossige Hauptbau wird flankiert von eingeschossigen Nebengebäuden, verbunden mit viertelkreisförmigen Gängen. Wie praktisch: In dem einen Haus war die Küche, deren Gerüche so nicht durch die Schloßräume zogen. Das andere diente als Kavalierhaus, Gäste brauchten nicht über den Hof zu laufen, wenn sie zum Diner ins Schloß gingen.

Eine große Tagestour

Das Ziel unserer Exkursion liegt etwas abseits der Straße von Bad Muskau nach Görlitz. Doch der Trip lohnt sich, der interessierte Besucher erlebt eine wunderbare Melange aus Geschichte, Kultur und Natur. Eine kleine Beschreibung des Programms gefällig? Also vormittags besichtige man das Schlösserensemble, verbunden mit einem ausgedehnten Parkspaziergang, danach kann man durch eine Pforte und über eine kleine Brücke hinweg zur Dorfkirche hinübergehen. Der gotische Bau (nach 1436) mit Annenkapelle (1510), barocker Ausstattung und Turm von 1814 ist überaus sehenswert. Dann nehme man eines der gut geführten Gasthäuser in Anspruch. Nachmittags kann man dann eine richtige Bergwanderung auf die Höhen der Königshainer Berge machen und in eine echte Bergbaude einkehren. Bei klarer Sicht geht der Blick von einem Aussichtsturm über ein großartiges Panorama bis zur Schneekoppe im Riesengebirge.



Foto aus dem Jahre 2002: Noch ist die Restaurierung von Schloß Königshain nicht abgeschlossen, aber an den Nebengebäuden, die alle bewohnt sind, kann man die alte Pracht schon wieder bewundern.

Die alten Schlösser

Das Dorf wurde im Jahre 1298 erstmals als "Kunigshain" urkundlich erwähnt. Die böhmischen Könige unterhielten hier ein großes Jagdrevier, worauf auch das heutige Dorfwappen hinweist: Drei Eichenblätter und eine Krone. Aus Sachsen, Thüringen und Franken kamen Kolonisten und siedelten sich entlang des Dorfbaches an. Der Rittersitz war im Mittelalter lange Jahre in Besitz der Familie von Gersdorf, die in der Oberlausitz weit verbreitet und reich begütert war. Seit wenigstens 1383 waren die von Gersdorf hier ansässig. In dieser Zeit wurde der so genannte Steinstock als Teil einer Wasserburg erbaut. Es ist heute der älteste Profanbau in der Oberlausitz. Bald trat aber das ein, was in der Görlitzer Gegend typisch war: Reich gewordene Kaufleute erwarben adlige Landgüter, so kaufte 1507 der Großkaufmann Hans Frenzel das Rittergut. Frenzel oder sein Nachfolger errichteten dann den Renaissancebau, der wegen Platzmangels innerhalb des Wassergrabens nur einen Abstand von knapp zwei Metern zum Steinstock hat.

Altes Fenster im Steinstock, dem Wohnturm der Wasserburg. Das restaurierte Gebäude wurde zum Ausstellungs- und Veranstaltungsort hergerichtet.

Familie von Schachmann

1660 erwarb die aus Breslau stammende Familie von Schachmann das Rittergut in Königshain. Kurz darauf brannte der Renaissancebau aus und erhielt beim Wiederaufbau seine heutige Gestalt mit den zwei turmähnlichen Vorbauten an der Nordseite. Die Familie von Schachmann wäre vielleicht längst vergessen, hätte sie nicht einen herausragenden Mann hervorgebracht. 1725 geboren, übernahm Carl Adolph Gottlob von Schachmann 1752 das Rittergut. Von 1764 bis 1766 ließ er nach eigenen Plänen das Barockschloß erbauen. Er gehörte zu den Mitbegründern der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften, die als eine der ersten Gesellschaften adlige und bürgerliche Forscher vereinte. Schachmann beschäftigte sich mit physikalischen Forschungen, in deren Folge er 1783 die erste Blitzschutzanlage der Lausitz baute. Schachmann war auch Altertumsforscher, Kunstsammler und Kupferstecher. Seine wichtigste Leistung vollbrachte er aber als Sozialreformer. Zehn Jahre vor der Französischen Revolution bereits hob er so zusagen aus freien Stücken und innerer Überzeugung die Erbuntertänigkeit und die damit verbundenen Frondienste seiner Bauern auf. In den letzten Lebensjahren fühlte sich Schachmann verstärkt dem Pietismus verbunden, in dessen Hauptort Herrnhut er 1789 verstarb. Im Königshainer Park errichte seine Witwe einen großen, noch heute erhaltenen „Stein als Denkmal zärtlicher, dankbarer Liebe“, so die Inschrift. Nach etwa zehn Jahren gelangten Schloß und Rittergut Königshain an die Familie von Heynitz, in deren Besitz es bis zu ihrer Vertreibung 1945 verblieb. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde im Schloss Königshain ein Hauptverbandsplatz eingerichtet. Daran erinnern noch heute zwei Friedhöfe im Park. Über 300 Soldatengräbern mahnen, das Leid des Einzelnen und sein sinnloses Sterben nicht zu vergessen. Zu DDR-Zeiten waren Schloß und Gut Königshain Zentrum eines landwirtschaftlichen Betriebes, der die prächtigen Gebäude allmählich stark herunter wirtschaftete. Die Wende kam gerade noch zeitig genug, um den Komplex vor dem totalen Verfall zu retten. 1992/93 wurden Steinstock und Renaissancebau aufwendig saniert, ebenso die Orangerie und mit dem Barockschloss wurde auch begonnen.



Carl Adolph Gottlob von Schachmann (1725 bis 1789) war der Erbauer des Barockschlosses in Königshain. Bekannt bis heute blieb er vor allem als Sozialreformer.

Der Park

Der Königshainer Park ist als Kulturdenkmal durchaus von überregionaler Bedeutung. Er entstand mit dem Bau des Barockschlosses 1760/70. In ihm sind Elemente französischer Gartenkunst mit einem Landschaftspark verknüpft. Östlich des Schlosses liegt ein großes Rasenparterre mit einer Brunnenanlage, eingefaßt von einer Hainbuchenhecke. Nördlich des Schlosses führt ein 1997 rekonstruierter Laubengang zu dem oben erwähnten Gedenkstein. Ein weiteres monumentales Denkmal erinnert an Antoinette Sophie Emilie von Schachmann, Gattin des Schloßherrn. Besonders empfehlenswert ist der Besuch des umfangreichen Rhododendrongartens, gepflanzt als eine Artensammlung, die seit 1996 aus privaten Sammlungen aus Görlitz und Dresden-Wachwitz zusammengestellt wurde.

Die Granitklippen auf dem Hochstein. Die Königshainer Berge sind das kleinste Mittelgebirge Deutschlands. Zum Schutz ihrer Flora und Fauna wurde beim Bau der Autobahn Dresden - Görlitz darunter einer der längste Autobahntunnel des Landes angelegt. Naturschutz wurde in den Königshainer Bergen schon um 1840 betrieben, hier entstand eines der älteste Naturschutzgebiete überhaupt: Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. kaufte den Totenstein, gleichfalls eine Granitklippe, und schenkte sie der Gemeinde mit der Auflage, nichts daran zu verändern.

 

zurück zur Karte