Leknica


WIE ICH EIN POLNISCHER AUTOHÄNDLER WAR

Also das war eine schöne Zeit. Zwischen den Systemen. Das eine vorbei, das andere noch lange nicht kapiert. Aber ordentliche Westler wollten doch viele ganz schnell werden. U.a. wurden die langersparten Fahrzeuge verschenkt oder für äußerst billig verkauft. Am besten in einer Anzeige, die nichts kostet. In so einem Wurschtblatt, das jede Woche sowieso in den Briefkasten kommt. Mit jeder Menge Telefonsex drin. Dazwischen alte Trabbis, Moskwitsche, Skodas, Wartburgs etc.. Also die mußte man nur abholen und nach Muskau über die Grenze fahren. Da waren die um einiges teurer als in Berlin. Die echten polnischen Autohändler erkannten mich immer gleich. Nicht am Gesicht. An den Marken oder an den Nummernschildern. Wie die Zigeuner. Die haben mich immer gleich herausgewunken. Am schönsten war die Probefahrt mit einem grünen Moskwitsch mit ihnen. Alle sind sie rein. Drei Mann saßen hinten. Die wären auch zusammengerückt, damit es vier werden, aber mein Freund, der mich auf dieser Tour begleitete, hatte Angst vor ihnen. Mit vier Zigeunern in die polnische Landschaft fahren. "Ich bin doch nicht lebensmüde", sagte er mit zitternden Händen und mit schüttelndem Kopf. Eine Flasche. Die waren prima. Die haben sich gefreut. Über dieses wunderbare Auto, das ich ihnen verkaufte. Super Federung. Super Motor, außerdem eine Anhängerkupplung. Und von einem wunderbaren grün. Grüne Moskwitschs sind die besten. Das wusste ich schon immer. Und vor einer Gewitterfront sahen sie am allerbesten aus. Wie von Gott fotografiert. Für sein Prospekt.
Die Zigeuner, die Gottes Auto von mir kauften, fahren jetzt, wo ich wieder durch Leknica (die polnische Seite von Muskau fahre) mit mir mit. Im Geiste. Ich dachte immer Zigeuner verstehe ich nie. Jetzt bin ich selber einer.

Nachts im Eldorado

 

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