Riesengebirge/Hirschberger Tal



DURCH DIE SCHLESISCHEN GEBIRGE

aus einer Aral Straßenkarte aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts

Der Geograph bezeichnet die fast 200 km langen Gebirge, die sich von der Elbe an bis zum äußersten Südostzipfel des Deutschen Reiches erstrecken, als Sudeten, — der Kraftfahrer aus dem Reich, der in diese Gegend fahren will, spricht von dem Riesengebirge. Er wird dazu verleitet durch jene drei bekanntesten Gebirgsorte, die gleichsam als Lockvögel am westlichen, dem Reiche zug ewandten Eingang des schönen Gebirgslandes liegen: Flinsberg, Schreiberhau und Krummhübel. Die letzten beiden liegen wirklich im Riesengebirge, Flinsberg jedoch im Isergebirge, aber wie gesagt: darauf kommt es den Autowanderern nicht so sehr an. Wer jedoch nicht in dieser ersten Etappe hängenbleibt, sondern etwas weiter nach Osten vordringt, der merkt ganz von selber, daß der gemeinsame Name Sudeten eine Einheitlichkeit vor­täuscht, die mit der sichtbaren Wirklichkeit in Widerspruch steht. An Ort und Stelle löst sich denn auch der anscheinend ein­ heitliche Bergzug der Sudeten in mehrere Einzelgebirge mit stark wechselndem Charakter auf: die bizarren, stark an die Sächsische Schweiz erinnernden Felsen der Heuscheuer wird niemand mit den klar gegliederten, breit hingelagerten Rücken, des Eulengebirges verwechseln, und auch der langsam ins Vorland verebbende Habelschwerdter Kamm unterscheidet sich deutlich von dem schnell aus dem Tal hochsteigenden Glatzer Schneegebirge. Eins aber ist allen Kindern der großen Sudeten­familie gemeinsam: die wundervollen Fernsichten weit hinaus ins Vorland, die man von ihren Hängen mit Entzücken genießt. Eines besonderen Rufes erfreut sich in dieser Hinsicht mit Recht die Heuscheuerstraße, die von Wünschelburg nach Carlsberg am Fuß des obersten, nicht befahrbaren Felskegels der Heu­scheuer hinaufführt und hierbei vom steilen Berghang aus herrliche Fernsichten auf das Vorland bis hinüber zum Eulengebirge er­ öffnet. Geht der Blick von dieser vielleicht schönsten schlesischen Bergstraße nach Norden, so hat man von der Auffahrt auf den Schmiedeberger Paß prachtvolle Aussichten nuch Westen und Osten, und endlich von der Eulengebirgsauffahrt von Hausdorf zur Kreuzbaude einen wunderbaren Blick auf Heuscheuer und Glatzer Kessel mit dem mächtigen Schneeberg im Hintergrund. In vorgeschichtlicher Zeit lag das Gebiet des jetzigen Gebirges erheblich tiefer als das Vorland, aber es wurde in der Stein kohlenzeit und im Tertiär durch Faltungen im Erdinnern hoch­ gepreßt, und es entstand so auf der Linie Goldberg —Schweidnitz — Patschkau jene Bruchstufe, die man noch heute vom Vorland aus deutlich erkennen und verfolgen kann. Die Lage ist also etwa umgekehrt wie im Erzgebirge, wo die Bruchstufe nach Norden abfällt und der Steilrand jenseits der Grenze nach Süden weist. Jene Faltungen des Gebirges bewirkten aber auch, daß in den granitenen Kern des Gebirges andere Gesteinsarten gelangten, die Heuscheuer ist z. B. ein Sandsteinrücken. Die verschiedene Festig­ keit der Gesteine zusammen mit der erodierenden Tätigkeit des Wassers hat dann die wechselnden Landschaftsbilder entstehen lassen, die heute den Schlesienfahrer bezaubern. Der Reiz des Landschaftlichen wird erhöht durch die kulturelle Eigenart eines seit alters viel umstrittenen Grenzlandes. Der Name der Grafschaft Glatz, der sich von dem tschechischen „Kladsko" (was soviel wie „Baude" bedeutet) ableitet, erinnert an die Zeit, in der der Besitz des Landes ständig zwischen deutschen und böhmischen Herren wechselte. So enge Ver­ bindung hinterließ ihre Spuren in manchen Einzelheiten: ein Erbe aus der böhmischen Zeit ist z. B. die Sangesfreudigkeit, von der der Besucher überall auf den Bauden überrascht wird. Diese für die schlesischen Berge typischen Bauden geben — bodenständig wie sie sind — ein getreues Abbild des schlesischen Gebirglers; anspruchslos stehen sie da und suchen sich bedacht­sam vor rauhen Stürmen zu schützen, aber im Innern sind sie kleine Wunder der Behaglichkeit und von einem harmlos-fröhlichen Treiben erfüllt, das den Besucher noch oft an seine Schlesienfahrt zurückdenken läßt.


Unser Fahrt-Vorschlag:

Bautzen (Dom St.Petri (abwechselnd von Katholiken und Protestanten benutzt) Ruinen der Nikolai- und Mönchskirche, Wasserkunst, Schloß Ortenburg, Reichenturm, Stadtmuseum, wendisches Haus mit wendischem Museum, Wochenmärkte (Trachten), Abstecher in das Lausitzer Hügelland (Czorneboh, Bileboh) nach Hochkirch, zum Kloster Marienstern und nach Kamenz (Lessing-Erinnerungen) — Görlitz (Kirche zum Heiligen Grab, Nachbildung des Heiligen Grabes, Frauen-, Perters-, Dreifaltigkeitskirche, Rathaus, Kaisertrutz, Dicker Turm, Reichenbacher Torturm, Apotheke mit astronomischer Uhr, Schönhof (Renaissance), Untermarkt mit Laubengängen, Altstadt, Blockhaus (Aussicht), Abstecher nach Landeskrone, in die Görlitzer Heide) — Lauban (altertümliche Stadt; Taschentuch­ industrie) — Marklissa (alte Straßenbilder) — Talsperre Goldentraum im Queistal — Burg Tzschocha und Neidburg — Greiffenberg (Ruine Greiffenstein; Rathaus; alte Giebelhäuser; Heimatmuseum, — Friedeberg — Bad Flinsberg (im Isergebirge; Tafelfichte; Hoher Iserkamm, Heufuder; 7 radio aktive Stahlquellen, — Schreiberhau (direkte Straße gebührenpflichtig, 3,— bzw. 5,- RM) — gebührenfrei über Alt-Kemnitz-Schreiberhau (im Riesen gebirge; Luftkurort und Wintersportplatz mit Bobbahn; Josephinenhütte; Sagenhalle; zahlreiche Bauden; Abstecher zum Kamm, Schneegruben, Zackelfallklamm, Trachten feste, — Hermsdorf-Kynast (Burg Kynast, erbaut Mitte des 14. Jahrhunderts, mit herrlichem Rundblick; Abstecher nach Agnetendorf, Saalberg, Giersdorf und Hain, — Bad Warmbrunn (altbekanntes Rheuma-Bad; Holzschnitzschule; Bibliothek mit Waffen-, Stein- und Siegelsammlungen; Schloß und Füllnerpark) — Hirschberg (Gande-, Katholische Kirche, Marktplatz mit Laubengängen und Barockgiebelhäusern aus dem 18. Jahrhundert, Rathaus, Museum des Riesengebirgsvereins, Aussicht vom Hausberg, Abstecher zur Sattlerschlucht im Bobertal und zur Mauertalsperre, Nach Bad Warmbrunn, Schreiberhau (Riesengebirgswanderungen)) — Zillerthal - Erdmannsdorf (Schloß mit Park) — Schmiedeberg (Teppichwebereien; alte Straßenbilder; Abstecher nach Krummhübel (Luftkurort und Wintersportplatz) — Brückenberg (Kirche Wang; Schneekoppe, 1605 m) — Schmiedeberger Paß (von der Paß höhe Abstecher nach den Grenzbauden) — Liebau (Bobertalsperre; Heiliger Berg)— Schömberg (Kirche; Museum; alte Laubenhäuser und zwölf Apostel, — Grüßau (Kloster seit 1292; Abstecher nach Landeshut mit alten Bauten)— Friedland (im Waldenburger Gebirge; Ring mit Laubenhäusern; Wagenweg zur Felsenstadt jenseits der Grenze) — Bad Görbersdorf (ältester Kurort für Tuberkulose; Ruine Freudenburg ; Jagdschloß; Hohe Heide; Wildberge; Dreiwasserthal) — Andreasbaude (Luftkurort und Wintersportplatz, — Bad Charlottenbrunn (Badeort seit 1724; zwischen Waldenburger- und Eulengebirge; Reimsbachtal; Karlshain) — Waldenburg (Mittelpunkt des Niederschlesischen Industriereviers, Schillerhöhe, Parkanlagen, Bergland-Kampfbahn, Vogelkoppe, Abstecher zur Dahliengärtnerei Liebichau, zum Fürstenstein, nach Bad Salzbrunn, zum Hochwald, ins Eulengebirge, nach Kynau (Schloß, Schlesiertal)



Die Schneekoppe

 

VON LAND UND LEUTEN (SACHSEN-NIEDERSCHLESIEN)

aus einer Shell Straßenkarte aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts

Sachsen und Schlesien teilen sich gemeinsam mit der Mark Brandenburg in die Raumschaft, die einen seit sehr alter Zeit besonders hervortretenden Gau um­schließt, die Lausitz. Flaches Sandland, die nur durch Wasseradern zugängliche Abgeschlossenheit des Spreewaldes, dann nach Südosten zu einige aufstei gende Hochflächen, im Süden das Lausitzer Gebirge als Bindeglied zwischen Erzgebirge und Riesengebirge, so sind die mannigfachsten Formationen ver­einigt, und verschieden ist der Herkunft nach auch die Besiedelung. Auf der Fahrt von Berlin nach dem Südosten werden wir deutlich gewahr, daß einst auch Brandenburg seinen Namen als Mark, als Grenzgebiet des Deutschtums, mit vollem Recht geführt hat. An geschichtlich bedeutsamen Plätzen heben sich heraus besonders Bautzen, die älteste Stadt der Oberlausitz, malerisch durch Lage und Bauart wirkend, und Guben, die größte Stadt der Niederlausitz, von ihren mit Obstgärten bepflanzten Hügeln umrahmt, besonders zur Zelt der Baumblüte viel von Fremden besucht. Beide Städte verfügen über eine ausgedehnte Industrie, Guben über Tuchweberei und Herstellung von Hüten, Bautzen über Maschinen- und Eisenbahnbau. Auch viele andere größere Orte weisen diesen starken industriellen Einschlag auf, Forst und Cottbus, das lebhafte Zittau und das freundlich am Fuße der Landskrone gelagerte und als Beamtenruhesitz beliebte Görlitz. Und auch in den kleineren Orten finden wir diese Gewerberührigkeit vertreten, die hier sehr alten Ursprunges ist. Eingewanderte Flamen hatten die Verwebung von Wolle und Flachs hier bereits im Mittelalter blühend entwickelt, die günstige Verkehrslage, das Vorkommen von Braunkohle und nicht zuletzt der oft wenig fruchtbare Boden haben dazu das übrige getan. Neben einigen größeren Herrschaften, wie den Waldgütern im Spreewaldgebiete, über­ wiegt der Kleinbesitz, wobei als Besonderheiten Grünberg, mit dem neben Bomst in der Grenzmark östlichsten Weinbau,dessen Erzeugnisse viel besser sind als land­ läufig bekannt, und der beträchtliche Gemüsebau von Zittau hervorzuheben sind. Schon in vorgeschichtlicher Zeit, beim Übergang von der Bronze- zur ältesten Eisen­ zeit, hat die Lausitz eine eigene Kultur entwickelt, die weit über ihr heutiges Ge­biet ausgestrahlt ist. In frühgeschichtlicher Zeit sitzen dann hier germanische Stämme, Semnonen und Vandalen, die dann in der Völkerwanderung dem Eindringen der slawischen Wenden Raum gaben, während aber gleichzeitig dauernd auch Thüringer und Ostfranken eingeströmt sind. Die Städtegründung im Mittelalter wurde ausschließlich von Deutschen verschiedener Stämme getragen, wobei der flämischen Webereilehrmeister bereits gedacht wurde. Daraus hat sich ein Stamm entwickelt, der namentlich durch sein ernstes Streben zur Auseinandersetzung mit den ewigen Dingen hinneigt und uns Männer wie den Gründer der Brüdergemeinde Herrnhut, den Grafen Zinzendorf, und Jakob Böhme beschert hat, vor allem aber den Kleinwebersohn Johann Gottlieb Fichte. Auch Lessing gehört dem Lausitzer Stamme an. Allerdings besitzt das wendische Gebiet, eine Eigenheit, wie wir sie in Deutsch­ land zum zweiten Male nicht besitzen. . Hier hat sich allgemein die schöne Volkstracht erhalten, die namentlich beim sonntäglichen Kirchgang in Burg zu sehen ist. In der süd­ östlichen Ecke zieht sich als Grenzgebiet zweier Länder das Riesengebirge hin, das von einem Menschenschlag bewohnt wird, der Ende des 12. Jahrhunderts aus Oberfranken einwanderte. So finden wir hier die typische Anlage des langen Reihendorfes wie im Frankenland und in den höher gelegenen Regionen bis hinunter in das deutschböhmische Gebiet die Streusiedlung. — Das Wappen von Niederschiesien besteht aus dem preußischen Adler mit Halbmond über der Brust, aus dem ein Kreuz in Form eines Eisernen Kreuzes herausragt.

 


 



Schloss Lomnitz ist am Bober gelegen. Mit Unterstützung des Vereins zur Pflege Schlesischer Kunst und Kultur baute die Familie von Küster ein schlesisches Gutshaus wieder auf, welches heute Hotel, Restaurant und Veranstaltungsort ist. Die beispielhafte Führung und Pflege des Hotels durch die Gastgeberfamilie lassen es einem an nichts fehlen. Eine wunderbare Ausstellung über die Schlösser im Hirschberger Tal wurde just eröffnet - in polnisch und in deutsch.

 

 



Eines der vielen weiteren Schlösser des Hirschberger Tals befindet sich in Stonsdorf/Staniszow. Das ist der Ort, wo auch der gleichnamige Kräuterschnaps einmal gebrannt wurde. Heute ist das Schloss Hotel und Restaurant, wobei letzteres eine höchst amüsante Speisekarte zu bieten hat: Da wird zum Beispiel "Magnolie vom Rindfleisch, nach altem Rezept des Meisters Ducase, in ozeanischem Salz und alten Armagnac eingelegt, serviert auf originelle, eigenartige Art" angepriesen oder auch: "Medaillon vom Schweinfilet "Jan der III. Sobieski" zubereitet mit mühsam ausgewählten Kräutern, gehüllt in Speckstreifen, leicht bespritzt mit Steinpilzsauce, mit Nudeln und Gemüse nach polnischer Art." Die lange Wartezeit auf das Essen haben wir also voller Kurzweil verbringen können. Geschuldet war diese wohl wie wir sahen der geheimnisvollen Anlieferung riesiger Kühlschränke. Denn wie wir an anderer Stelle erfuhren: wirklich gekocht wird in dem Restaurant nicht, da die gestrengen polnischen Ämter keine Lizenz verteilt haben. Alle Gerichte werden tiefgekühlt geliefert und nur noch erwärmt.

 

zurück zur Karte