Steindörfel


JOHANN GEORGE VOGEL

- SUPERINTENDENT UND BIENENZÜCHTER

von Siegfried Kohlschmidt


Vom Hauslehrer zum Diakon

Dem Dorfschuster Vogel in Steindörfel bei Bautzen wurde am 12. Februar 1739 ein Sohn geboren, dem eine steile Kariere bevorstand. Der Knabe erhielt den Namen Johann George, wegen seiner wendischen Mutter unter Landsleuten auch Jan Jurij genannt. Für die ersten Lebensträume – Chirurg oder Baumeister – war die elterliche Kasse zu bescheiden. So schlug sich Johann George Vogel zunächst als Privatlehrer in Görlitz durch. Aber ein Onkel war Universitätsschreiber in Göttingen, und so konnte er relativ günstig doch noch ein Studium (Theologie) beginnen. Nach sechs Jahren in die Heimat zurückgekehrt, waren wieder nur Stellen als Hauslehrer zu haben, zunächst bei dem Freiherrn von Gersdorf, dann beim Oberamtskanzlisten Jonas. Erst die Bekanntschaft mit Hermann von Callenberg auf Muskau brachte die entscheidende Wende. Der Graf, der spätere Großvater des Fürsten Pückler, war ein sehr gebildeter und musischer Mann, der sich auch um die sozialen Belange seiner „Erbuntertanen“ kümmerte und manche Not lindern konnte. In Johann George Vogel fand er einen verständigen und tatkräftigen Mitarbeiter.



Das Vogelsche Erbbegräbnis auf dem Friedhof der St. Jacobskirche in Muskau. Ganz in der Nähe befinden sich die Gräber des Dichters Leopold Schefer, des Landschaftsgärtners Jakob Heinrich Rehder und bis Machbuba's Grabhügel ist es nicht weit.

Ein Mann des Wortes – ein Mann der Tat

Als Vogel 1768 nach Muskau gerufen wurde, kam er in eine Trümmerstadt. Das sogenannte „Zornfeuer“ hatte am 6. April 1766 das Städtchen in Schutt und Asche gelegt. Auch die Stadtkirche mit Turm war vollständig ausgebrannt. Sie, die zur Unterscheidung von der Wendischen St.Andreaskirche am Markt auch Deutsche Kirche genannt wurde, sollte für 32 Jahre zur Wirkungsstätte Vogels als Diakon und Lehrer werden. Mit den folgenden Jahren als Superintendent war er über 50 Jahre im Amt. Unter Leitung Vogels brachte die Stadtkirche über 700 Taler durch Kollekte und Spenden, auch von weit her, beispielsweise aus Hamburg, zur Milderung der Not der Brandopfer auf. Wenige Jahre nach dem Stadtbrand überzog eine verheerende Hungersnot das Land. Wieder galt es, den Ärmsten zum Überleben zu helfen. An diese schwere Zeit erinnert noch heute das gußeiserne Hungerdenkmal auf dem Kirchplatz. Graf Callenberg errichtete das Denkmal 1778 „zum Gedächtnis an die, die 1772 mildtätig den Hunger stillten“, wie die Inschrift besagt. Besondere Verdienste erlangte Vogel auch im Schulwesen, als dessen Inspektor er die Gründung oder den Neubau der Schulen in den Dörfern Berg, Braunsdorf, Keula, Mocholz, Skerbersdorf, Mühlrose, Weißwasser, Schleife, Merzdorf und Boxberg initiierte bzw. beaufsichtigte.

Oberlausitzer Wissenschaftler

Neben seiner vielfältigen seelsorgerischen und pädagogischen Tätigkeit nahm sich Johann George Vogel noch Zeit für schöngeistige, wirtschaftliche und wissenschaftliche Untersuchungen und Publikationen. So schrieb er über den Klementinengang, ein romantischer Parkweg lange vor der Pücklerschen Gartenkunst, machte die Muskauer Tonröhren (für Wasserleitungen) bekannt, und analysierte die „Volksvermehrung“ in der Muskauer Standesherrschaft. Gemeinsam mit seinem Dienstherren Graf Callenberg war er einer der Neubegründer und Mitglied der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften.



Porträt von Johann George Vogel, 1945 mit der Kirche verbrannt.
Wie wichtig der Beruf des Imkers war, kann man auch an der Häufigkeit bestimmter Familiennamen ablesen. In aktuellen Cottbuser Verzeichnissen tauchen rund zwanzig Mal die Namen Beutner und Zeidler auf, in ganz Deutschland gibt es weit über 4000 Telefonanschlüsse allein unter dem Namen Zeidler

Kerzenwachs und Honig

Besonders interessierte sich Johann George Vogel für die Imkerei. Auf seine Bestrebungen geht die Gründung des Bienengarten bei Sagar zurück. Gemeinsam mit dem Pfarrer Adam Gottlob Schirach verfaßte er 1774 ein Buch über die Waldbienenzucht, das sogar im fernen Rußland große Aufmerksamkeit erregte. Katharina II. schickte die Herren Brodowski und Kawersniew zum Studium in die Oberlausitz, ein Ehrengeschenk der Zarin war die Beigabe. Seit dem Mittelalter war die Bienenzucht ein Herrenrecht, das an Züchter, die sogenannten Zeidler, gegen Entgelt in Form von Wachs und Honig vergeben wurde. Die Zeidler waren in Innungen organisiert und betrieben die Waldbienenzucht. Dazu wurden in Wäldern und Heiden sogenannte Beutenbäume, häufig alte, allein stehende Kiefern, angelegt. Im 18. Jahrhundert, zu Zeiten Vogels also, war die Waldbienenzucht bereits stark im Rückgang, nur im Osten konnte sie sich bis in das 20. Jahrhundert halten. Neue Formen der Bienenzucht, Forschung und Organisation entstanden. Die 1766 gegründete „Physikalisch-Ökonomische Bienengesellschaft in der Oberlausitz“ war die erste ihrer Art in Deutschland, Fürst Pückler war Ehrenmitglied. Ihre Fortsetzung fand sie seit dem 19. Jahrhundert in zahlenstarken Vereinen. Seit 1959 organisierte der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) im Osten Deutschlands die Arbeit und das Freizeitvergnügen der Imker.

Ein langes Leben

Johann George Vogel heiratete 1776 Friedericke Richter, Tochter des Muskauer Zoll- und Biersteuereinnehmers. Mit ihr hatte er sechs Kinder. Vogel verstarb im gesegneten Alter von über 87 Jahren am 21.Juni 1826.

 

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